Rezension: Die dunkle Seite des Mondes

„Die dunkle Seite des Mondes“

von Martin Suter

320 Seiten

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 Wirtschaftsanwalt Urs Blank hat seine Gefühle im Griff. Er ist Fachmann für Fusionsverhandlungen und der Star der Branche. In letzter Zeit allerdings quält ihn ein diffuses Unbehagen – auch ein Grund, warum er sich so intensiv um die schöne Lucille bemüht, die ein so völlig anderes Leben führt. Durch sie lernt er die magische Welt der halluzinogenen Pilze kennen. Bei einem überwältigenden Trip spielt ihm jedoch ein unbekannter zyanblauer Pilz einen bösen Streich. Blanks Persönlichkeit ist vortan verändert. Er fühlt sich gottgleich und gibt jeder Gefühlsregung sofort Ausdruck. Er erkennt, dass ihm keiner helfen kann, und flieht in den Wald, den einzigen Ort, wo er zur Ruhe kommt, niemandem gefährlich werden kann. Und während man in der ›zivilisierten‹ Welt denkt, der Staranwalt habe sich das Leben genommen, lernt Blank das Überleben in den Wäldern. (Quelle: Klappentext)

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Review

Erstmal kurz zum Cover: Die Cover des Diogenes Verlag haben mir noch nie besonders gut gefallen. Ich kann einfach mit der hellen Aufmachung und dann einem meist portait-ähnlichem Bild nichts anfangen. Aber dafür sind sämtliche Bücher des Verlags recht einheitlich gehalten. Und wie heißt es so schön? Man soll ein Buch nicht nach dem Einband beurteilen 😉

Das Thema des Buches ist definitiv spannend gewählt: Die Psyche eines Mannes verändert sich komplett durch einen Pilztripp. Grenzen gibt es praktisch keine mehr für den Protagonisten. Lediglich ein Hauch von Schuldgefühl lässt ihn noch menschlich wirken. Ich persönlich kenne Bücher mit der Drogenthematik bisher nur in Richtung „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Sprich Hauptperson rutscht in Dorgenszene ab, verpfuscht ihr Leben und schafft es entweder mittels einem Entzug oder auch gar nicht. Die Veränderung im Verhalten ist bei diesen Büchern meist der Schwerpunkt, wie auch in „Die dunkle Seite des Mondes“, aber in letzerem erhält man einen viel besseren Einblick in die Gedanken, Handlungsanreize etc von Urs Blank. Der Leser kann viel mehr erkennen wie und weshalb sich ein renomierter Anwalt zum Waldmenschen entwickelt. Allein hier für ist meiner Meinung nach ein großes Lob angebracht.

Wie ich im Prinzip schon erklärt hab sind die Charaktere sehr gut durchdacht und beschrieben. Nicht nur der Protagonist zeigt uns große Einblicke in sein Leben. Dadurch das Suter sehr oft zwischen den Perspektiven hin und her wechselt, und sogar auch aus Sicht von Nebenpersonen schreibt, wird dem Leser praktisch sämtliche Details der Charaktere aufgezeigt, sowohl die, die die Betroffenen an sich selbst sehen, als auch die, welche andere vermuten. Mit anderen Worten: Die Charakter werden in sämtlichen Facetten beschrieben, eine perfekte Vorraussetzung um den Leser ein ideales Lesevergnügen zu gewährleisten.

Die Handlung ist für mich persönlich an einigen Stellen zu langatmig. An den meisten Stellen hat Suter zwar das richtige Gefühl wie schnell oder langsam er seine Geschichte erzählen muss, an den restlichen Stellen versagt er leider. Besonders als Blank sein Leben im Wald schildert wird es mir etwas zu andauernd. Dafür geht der Höhepunkt nur über wenige Seiten und es passiert alles gleichzeitig. Zumindest dies ist aber nicht als Minuspunkt gedacht denn irgendwie bleib mir das Buch dadurch länger im Kopf und ich dachte viel mehr über die Geschichte nach. Der Verfasser hat auf jeden Fall großes Talent als Autor bewiesen, dass lässt sich unteranderem auch durch den Schreibstil erkennen und der Fähigkeit das Kopfkino eines Leser aufzuwecken. Vieles wird nur angedeutet und lässt den Leser dadurch viel mehr über die Situationen nachzudenken und zu hinterfragen.

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Charaktere: ★ ★ ★ ★ ★

Spannung: ★ ★ ★ 

Emotionen: ★ ★ ★ ★ ★

Schreibstil: ★ ★ ★ ★ 

Originalität: ★ ★ ★ ★ ★

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★ ★ ★ ★ 

(4 von 5 Sternen)

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